Professionelle*r Vermittler*in in einem Kommunikationsprozess – bilden Sie sich zur*m Mediator*in weiter!

Nicht abwarten und Tee trinken, sondern Konflikte bewältigen und lösen – eigenverantwortlich, einvernehmlich und außergerichtlich.

Wir sprachen mit den beiden Lehrenden JU Dr. Heike Lamadé, Rechtsanwältin, Fachanwältin, Mediatorin und Prof. Dr. Rainer Kilb, Fachlicher Leiter an der Hochschule Mannheim über das Kontaktstudium Mediation.

Der berufsbegleitenden Studiengang Mediation ist eine Kooperation mit der Hochschule Mannheim und startet im November in Heidelberg. Er richtet sich an Personen mit und ohne Hochschulstudium, die in ihrem Tätigkeitsbereich die Techniken des der Mediation anwenden möchten und sich auszeichnen durch: Interesse am Menschen, aufmerksames Zuhören, strukturelles Leiten eines Gespräches und Allparteilichkeit.

Das Kontaktstudium umfasst insgesamt 288 Präsenzstunden (min.: 120 Std, empfohlen werden mind. 200 Std.) um Lerninhalte zur Konfliktanalyse – und bearbeitung aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen fundiert zu vermitteln und zu vertiefen. Dozent*innen mit lang jähriger Praxiserfahrung, Rollenspiele, und mindestens zwei Supervisionen mit eigener Mediation im Unterricht und unmittelbarer Anwendung in der Praxis, machen das Studium praxis- und handlungsorientiert. Die Teilnehmenden schließen das Studium nach zehn Blockeinheiten (freitags und samstags) über einen Zeitraum von 14 Monaten und einer Abschlusspräsentation als zertifizierte*r Mediator*in nach dem Mediationsgesetzt ab.

PAS: Können Sie kurz erläutern, warum in Europa 2012 ein Mediationsgesetz eingeführt wurde und welche Auswirkung dieses Gesetz auf die Mediation hatte?

Heike Lamadé: Das Mediationsgesetz ist seit Jahren überfällig gewesen. Es war erforderlich geworden, die Mediation für Anfragende transparent zu gestalten. Die Berufsbezeichnung Mediator war zu diesem Zeitpunkt nicht geschützt und konnte auch bei einer kurzen Ausbildung als solche verwendet werden. Durch die Festlegung der Ausbildungsinhalte wird für anfragende Medianten sichergestellt, professionell durch den Konflikt geführt zu werden.

PAS: Es gibt Leute, die haben ein Händchen fürs Streitschlichten. Was macht eine*n gute*n, professionelle*n Mediator*in aus?

HL: Der Mediator richtet keinen Streit, er führt die Medianten zu einer autonomen Lösung. Während des gesamten Verfahrens stellt der Mediator nicht seine Ideen oder Vorschläge in das Verfahren ein, sondern lässt die Konfliktpartner anhand festgelegter Regeln eine eigenständige und autarke Lösung entwickeln. Während des gesamten Prozesses schafft es ein guter Mediator, eine neue nachhaltige „Streitkultur“ bei den Mediaten zu implementieren, sodass auch in Zukunft Konflikte durch die neuen Kommunikationstechniken anders gelöst werden können.

PAS: Ziel der Ausbildung ist ein professionelles Konfliktmanagement nach universitären Standards. Der angebotenen Weiterbildung Mediation liegt eine interdisziplinäre Form der Mediation zugrunde, orientiert sich am Format der "integrierten Mediation" und ist interkulturell wissenschaftlich ausgerichtet. Welche Wissenschaftsbereiche spielen alle mithinein? 

Rainer Kilb: Das sind zum einen die sog. Handlungswissenschaften der Konfliktbearbeitung und des Konfliktmanagements, die sich wiederum auf diverse Grundlagenwissenschaftsbereiche beziehen lassen, wie etwa diejenigen der Kommunikations-, Erziehungs-, Kultur-, Politik- und Rechtswissenschaften sowie der Soziologie, Psychologie und Philosophie. 

PAS: Was unterscheidet die integrierte Mediation von anderen Formen der Mediation?

HL: Die integrierte Mediation vermittelt den Mediatoren die Möglichkeit, außerhalb eines engen „Mediationssettings“ die Werkzeuge und Techniken der Mediation anzuwenden. Auch hier erlangen die Konfliktparteien mehr Autonomie im Umgang mit dem Streitstoff.

PAS: Was bedeutet in diesem Fall interkulturell wissenschaftlich?

RK: Unter „Interkulturell wissenschaftsgestützt“ werden hier die Basics verstanden, die es zu verstehen gilt, wenn etwa ethnisch-kulturell bedingte Disparitäten in der Konfliktbearbeitung eine Rolle spielen, also wenn beispielsweise sprachliche Codes, Körpersprache und Mimik verschiedener, im Konflikt aufeinandertreffender Kulturträger in deren Binnen-Kommunikation missverstanden werden, den Konflikt selbst vielleicht sogar auslösen oder diesen eskalieren helfen. Interkulturelles Wissen sowie interkulturelle Kommunikationsfähigkeit sind dann Voraussetzungen, mit solcherart Konflikten umgehen zu können. Die Konfliktbearbeitungsverfahren und Techniken sind dann kompatibel mit den kulturellen Voraussetzungen der Konfliktakteure zu gestalten. 

PAS: Inwiefern ist die Hochschulweiterbildung praxis- und anwendungsorientiert?

RK: Die die Hochschulweiterbildung praxis- und anwendungsorientiert, weil hier über die jeweiligen Protagonisten Wissenschaft auf Praxis trifft, also universitäre Forschungskompetenz auf Praxiserfahrung und Anwendungskunst.

HL: Mit der Ausbildung sind hochqualifizierte Praktiker involviert, die neben der wissenschaftlichen Vermittlung der Theorie durch ihre jahrelange Praxisorientierung diese Erfahrungen vermitteln können.

PAS: Das Kontaktstudium gliedert sich in Themenblöcke, Präsenzveranstaltungen und angeleitete Praxisarbeit in multiprofessionellen Lerngruppen. Was kann man sich darunter genau vorstellen?

HL: Neben der theoretischen Vermittlung und den Präsenzveranstaltungen ist es dringend erforderlich, einen Zugang zur Praxis zu finden. Durch das „Trainieren“ des erlernten theoretischen Stoffes in der Lerngruppe, durch Rollenspiele und Auseinandersetzung der verschiedenen Themenbereiche, wird hierdurch eine Sicherheit erzeugt, die in der praktischen Umsetzung von größter Bedeutung ist. Die Mediatoren erhalten dadurch Routine im Umgang mit schwierigen und eskalierenden Situationen und lernen sich punktgenau, aber auch differenziert auf außergewöhnliche Situationen innerhalb der Mediation einzustellen.

PAS: Zwei Supervisionen mit eigener Mediation einmal als Mediator*in, einmal als Mediant*in im Rahmen der Ausbildung durchführen und reflektieren. Wie geht das vonstatten?

HL: Mediatoren haben die Möglichkeit, einen eigenen Fall, den sie aus der Berufspraxis mitbringen oder den sie dort erlebt haben, in einem Mediationssetting zu gestalten. Es findet eine Art Rollenspiel statt, in dem einmal der Studierende als Mediator und einmal als Mediant fungiert. Auch hierdurch wird praxisorientiert die Struktur der Mediation aus jeder Perspektive exploriert und für jede Platzierung in der Mediation ein darüber hinausgehendes Verständnis der Arbeit hergestellt.

PAS: Wieviel Zeit braucht man ca. neben den Präsenzveranstaltungen für die eigene Lernzeit und die Lerngruppen?

HL: Der zeitliche Aufwand für das Nacharbeiten in der eigenen Lernzeit und in den Lerngruppen entspricht ungefähr dem Aufwand der Präsenzveranstaltungen. Es zeigt sich hier, dass durch das große Interesse an der Materie und dem Lernerfolg der zeitliche Aufwand für jeden einzelnen Mediator in den Hintergrund rückt. Die Selbsterfahrung und die Selbstreflexion durch diese Lernerfahrung, stellt bisher für jeden Studierenden eine zeitlich nicht aufzurechnende Bereicherung dar.

PAS: Arbeiten Mediator*innen als Freie oder festangestellt? In welchen Arbeitsfeldern kommen freie Mediator*innen vor allem zum Einsatz und, wer beschäftigt festangestellte Mediator*innen?

HL: Das Arbeitsfeld der Mediatoren ist uneingeschränkt groß und wächst zusehends. Nicht nur in der freien Wirtschaft, sondern auch bei öffentlichen Trägern, wie Behörden, Schulen und Ähnlichen, werden mittlerweile Mediatoren eingesetzt. Die Mediatoren sind unter anderem auch in öffentlichen Bereichen, wie politischen Auseinandersetzungen oder Ähnlichem tätig. Großkonzerne stellen mittlerweile Mediatoren fest an, gleichsam Behörden und kirchliche Vereinigungen. 

Es ist augenscheinlich, dass in den letzten Jahren die Nachfrage nach Mediatoren deutlich gestiegen ist und die ganz offensichtlich nachhaltigen Erfolge für den Anstellungsträger von unschätzbarem Wert sind.

 PAS: Was ist das Besondere an dieser Weiterbildung Mediation im Vergleich zu anderen?

HL: Das Besondere an diesem Studiengang ist die Praxisorientierung. Die Mediatoren erhalten nicht nur seitens hochqualifizierter Professoren, sondern auch von langjährig tätigen Mediatoren ihre Ausbildung.  Darüber hinaus gestaltet sich diese Weiterbildung berufsbegleitend und kann unschwer in den Berufsalltag integriert werden. Durch den Blockunterricht kann strukturiert und effizient der theoretische Stoff erarbeitet werden, der allerdings auch sofort praxisorientiert umgesetzt wird.
 

Mediation - Kontaktstudium - Zertifizierung nach dem MediationsG und der ZMediatAusbV

Anmeldeschluss: 25.10.2019
Start: 22.11.2019
Veranstaltungsort: Heidelberg
Kosten: € 3980,-
Abschluss: Zertifizierte Mediatorin/Zertifizierter Mediator
Kooperationspartner: Hochschule Mannheim

Online-Infoveranstaltung:

Freitag, den 18.09.2019, 18 – 20 Uhr
Um unverbindliche Anmeldung wird gebeten: info@akademiesued.org

Kontakt und Beratung:

Kai Kneule, 0711 25298-923, kneule@akademiesued.org

 

 

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